Kursfahrt der Jahrgangsstufe 12 nach Florenz

An einem Samstag Abend Ende April 1998 ging es los. Mit 36 Schülern der unserer Jahrgangsschule nebst den LK-Lehrern Frau Tobergte, Herrn Sartoris und Herrn Woitecki machten wir uns auf Reisen in die ferne Toskana.
Von der 16-stündigen Busfahrt entnervt- sei es durch die sinnlosen Bemühungen, seinen Körper in eine annähernd bequeme Schlafposition zu bringen oder einfach nur durch diverse Hymnen auf Lieblingsfußballvereine, „liebevoll“ intoniert von besonders stimmungsvollen Mitreisenden - freuten sich alle, endlich ein bisschen Zeit in Ruhe auf ihrem Zimmer in dem kleinen Hotel nahe der Florentiner Innenstadt verbringen zu können. Langes Faulenzen gab es allerdings nicht, denn die vielen Statuen, Gemälde, Marmorkunstwerke und vor allem die Fresken der zahlreichen Kirchen, Klöster, Gedenkhallen und Museen schrieen förmlich nach den „Kulturhungrigen aus Germania“.
Mit dem komfortablen Röskamp-Bus und dem freundlichen Fahrer Herbert stets mobil, entgingen uns weder die Städtchen San Gimignano und Lucca, noch der schiefe Turm von Pisa, der Dom in Siena und der Ort Vinci, in dem wir auf Leonardos Fährten der Technik wanderten. Wir selbst entgingen kaum dem dritten Auge Herrn Woiteckis, das uns schöne Erinnerungsphotos brachte.
Die bereits in Oberhausen verteilten und vorbereiteten Schülerreferate über die jeweiligen Stätten gaben dem Rest der Gruppe Informationen und Tipps zu dem Gesehenen. Sollten allerdings dennoch Fragen trotz der mehr oder minder umfangreichen (Tach Hannes!) Vorträge aufkommen, war Herr Sartoris sofort zur Stelle, um unseren Wissensdurst mit Hilfe seiner zahllosen Toskana-Führer zu löschen.
In Florenz selbst gab es natürlich auch eine Menge zu besichtigen. Der Dom und sein Baptisterium, das Medici-Museum und die Uffizien sind nur der Anfang von dieser kulturhistorisch-umwerfenden Stadt, die deshalb vor Touristen aus allen Nähten platzte. Wir konnten damit allerdings sehr gut leben, gab das bunte Treiben in der Innenstadt doch vor allem abends an der Domplatte viel Gelegenheit, Jugendliche aus der ganzen Welt kennen zulernen. An einem Tag erlebten wir dort etwas für uns alle umwerfendes: Gutgelaunt saßen wir auf den Stufen vor der prächtigen Fassade des Doms, als ein besonders freudiger Mitschüler das „RWO-Aufstiegslied“ anstimmte. Wir fielen lauthals ein und bemerkten erst kurz später, dass eine Gruppe gleichaltriger Italiener, die im Abstand von 15 Metern zu uns saß, nun ihrerseits ein Liedchen zum besten gab. Davon angestachelt trumpften wir schließlich enthusiastischer als zuvor mit Wolle Petry auf, der prompt in italienischer Form noch lauter beantwortet wurde. Es fand ein regelrechter Singwettstreit statt, bei dem es darum ging, wer die meisten Lieder am lautesten und überzeugendsten grölen konnte. Wir kamen uns durch's „Singen“ immer näher. Zunächst stand man auf, dann ging man aufeinander zu und letztendlich vermischten sich beide Gruppen. Letztendlich lagen wir uns alle in den Armen und wir versuchten, trotz der sprachlichen Barrieren ein gemeinsames Lied anzustimmen. Sekunden später erfüllte deshalb ein mitreißendes „Ti amo!“ den Florentiner Domplatz, der inzwischen von dutzenden von Schaulustigen gefüllt war. Wir konnten uns wirklich nur mit Händen und Füßen unterhalten, aber das war Völkerverständigung pur!!
Von den neuen Bekannt- oder sogar Liebschaften (?!?) noch „freudig erregt“, fanden wir uns mehr oder weniger pünktlich zum Zapfenstreich im Hotel ein, um dort die Nacht trotz der müden Knochen noch zum Tag zu machen, schließlich wäre es ein großes Manko gewesen, sich in Italien nicht dem süßen Genuß des Weines hinzugeben...
Das Wetter war durchgehend so gut, dass manche Freizeitstunden zwischen dem Programm zum „Piazza-Sonnenbaden-Happening“ mit 'molto gelato' wurden und die Stimmung auf den absoluten Höhepunkt brachten, denn, Hand auf's Herz, so faszinierend die vielfältigen Kunstwerke der Toskana auch waren, irgendwann waren alle so von Eindrücken überfüllt, dass selbst dem Kunstinteressiertesten das schönste Fresko zum Hals raus hing!

Alles in allem war unsere Kursfahrt ein absolutes Highlight, was sicherlich zu einem großen Teil dem riesigen Engagement unserer LK-Lehrer zu verdanken ist! Jeder Teilnehmer hat etwas von der Reise mitgenommen - und wenn es lediglich das RWO-Aufstiegslied für die zweite Liga ist....

Antje N.