Erdkunde GK Claus

Eine kleine Gruppe unbeugsamer und verwahrloster Jugendlicher, begab sich zu Anfang der 11/2 in die Obhut einer Person, die offensichtlich nur ein Lebensmotto kennt: Fressen, bevor man selbst gefressen wird! Verwunderlich war schon der bloße Blick auf die Kursteilnehmer. Auch im entferntesten Winkel des Erdkunde-Raums war kein weibliches Geschöpf zu finden. Warum nur fehlte diese ansonsten gern gesehene Spezies? Diese und weitere Fragen werden hoffentlich nach diesem Artikel beantwortet sein...

Der Inhalt des von Herrn Claus überwachten Unterrichts war bis auf eine Ausnahme im Buch "Fundamente" zu finden. Hier kann jeder selbst nachlesen, was ein Erdkunde Grundkurs wissen muss, um das Abitur zu erreichen, denn Herr Claus befand sich nicht in der normalerweise für Lehrer üblichen Position als "erklärende" Kraft, nein, er avancierte mit der Zeit zum Entertainer seines Fachs. Seine Aufgabe bestand darin, uns möglichst lange Abschnitte des Buches in stiller Heimarbeit vorbereiten zu lassen und dann am Anfang jeder Stunde, die Frage nach "spontanen Meldungen" zu stellen, die wir ihm nur selten zufrieden stellend beantworten konnten. Grund dafür war sein ausgeklügeltes System ca. 15 Sekunden auf eine erste Zusammenfassung zu warten und dann wie gewohnt sein berühmtes KSM (keine spontane Meldung) einzutragen, was bei Elternsprechtagen zur Dokumentation von Fehlleistungen dienen sollte. Die Frage, ob jemals Eltern von Kursmitgliedern bei ihm vorbeigeschaut haben, kann man im Grunde genommen nur mit "nein" beantworten, denn welcher halbwegs intelligente Mensch, der nicht durch die Schulordnung dazu gezwungen wird, hört sich freiwillig die Reden des OStR. Claus an? Da wir uns nicht auf eigenbestimmter Basis den Lehrkörper aussuchen konnten, waren wir dazu verdammt 2 ½ Jahre diese Farce über uns ergehen zu lassen. Dabei zeigten sich Doppelstunden als besondere Marter, denn der OStR. scheint die Kraft zu besitzen, dauerhaft Uhrzeiger fest zu tackern. Wir konnten noch so oft den flehenden Blick zur Armbanduhr schweifen lassen, die Zeit ging nur mühsam vorbei. Der Entertainer konnte sich ganz auf seine Show konzentrieren, denn niemandem war es beim besten Willen erlaubt, faule Eier oder Tomaten zu werfen, wenn die Darbietung ins lächerliche oder unverschämte abzudriften drohte. Die Performance des OSTR. beinhaltete des Öfteren geschmacklose Witze, diskriminierende Äußerungen und die Wiedergabe persönlicher "Erlebnisse", die uns oft dazu brachten zu lachen, jedoch nicht wie von dem Künstler angenommen, über die Witze sondern vielmehr über die Person selbst. Im Laufe der Zeit wurde uns "beigebracht", dass gewisse Volksgruppen in England ihre Häuser mit Farbresten von der Mülldeponie anmalen, es nichts besseres gibt als ein Fahrsicherheitstraining mit einem Porsche, was uns bisher schon dreimal erzählt wurde, es in der Wohnung seines Sohnes in Berlin große Fenster gibt, die zwar im Sommer viel Licht einlassen, aber keinen ausreichenden Schutz vor lärmenden türkischen Mitbürgern im Hof bieten, Entschuldigungen nur dann zu akzeptieren sind, wenn der vermeintlich Kranke auch den Wirkstoff seiner eingenommenen Tabletten kennt, Werksbesichtigungen dazu dienen abzusahnen, italienische Panzer im 2.Weltkrieg teilweise drei Rückwärtsgänge hatten und noch vieles Erschreckende mehr.
Erstaunlich war auch die Arroganz des Künstlers, die ihn dazu bewog all das für gut anzusehen, was er sagte, besaß oder tat. Besonders in Bezug auf Kleidung zeigte er sich als "up to date". Während "Engländer überhaupt keine Ahnung von Kleidung haben" zeichnet den OStR. ein modisches Erscheinungsbild aus. Ein akkurater Haarschnitt der Frau Gemahlin ("wer heute noch zum Frisör geht, hat zu viel Geld"), eine Brille, die noch von Carl Zeiss leibhaftig zusammengebaut wurde, eine wirklich hitverdächtige Kombination von grünem Oberhemd zu oranger Krawatte (geknotet nicht gebunden) und um die obere Körperhälfte abzuschließen, eine Lederjacke, die schon seit mindestens 25 Jahren im Besitz des Künstlers ist, was Augenzeugenberichte von Ehemaligen beweisen. Weiter geht es mit einem modischen Gürtel, dessen Schnalle die Worte "Gott mit uns" ziert, und einer Hose halt geben soll, die maximal am Fußknöchel endet und noch dazu einen gewissen "Schlag" besitzt. Abgerundet wird die Sache mit Schuhen, deren Fertigungsdatum auf das letzte Jahrhundert datiert wird, was im übrigen auch auf das zur Fortbewegung benutzte Vehikel zutrifft.
Man streitet noch darüber, ob Herr Claus das nordrhein-westfälische Notensystem benutzt oder eigene Wege geht. Jedenfalls scheinen für unseren Lehrer die letzten 5 Punkte der Notenskala (0-15) nicht zu existieren, denn wie sonst kann es sein, dass niemals mehr als 10 Punkte verteilt wurden. Auch die Korrekturzeiten von Klausuren scheinen frei dehnbar zu sein, denn wie sonst könnte es ein so rechtschaffener Mann begründen, drei Schüler, die Klausur geschrieben haben, mehr als zwei Monate warten zu lassen??? Interessierte Nachfragen oder besser "Erinnerungen" unsererseits wurden mit der Termin – und Zeitnot von Oberstudienräten begründet, die zwar auch am Sonntag fast ausschließlich für die Schule arbeiten, aber eben keine Übermenschen sind, was schon allein der zu geringe Lohn veranschaulicht. Komischerweise schaffen manche Lehrer eine Korrektur von fast dreimal so vielen Klausuren, innerhalb einer Woche.
Ziel dieses Artikels ist die Warnung nachfolgender Generationen vor der Wahl eines Erdkunde Kurses unter der Leitung des Herrn Claus. Sollte es sich nicht vermeiden lassen, braucht man für den Unterricht vor allem eins: Ohropax, denn nur so kann man sich ausreichend vor verbalen Auswüchsen des Lehrkörpers schützen.
Wir verabschieden uns, mit einem gut gemeinten

Take care...

Michael A., Marco B., Dominik S.

Von links: Tobias L., Andreas K., Mark V., Michael A., Bijan K., Marco B., Roman S., Herr Claus