Sowi-GK bei Herrn Nagel


"Guten Morgen, Herr Nagel!" - "Was?"
So oder ähnlich begann der Unterricht. In seinem Fortgang gestalteten sich diese W-Fragen mitunter unterrichtsfüllend aufgrund allgemeiner Verständigungsprobleme. Herrn Nagel machte sein schlechtes Hörvermögen zu schaffen, was uns wiederum in fortwährende Verwirrung stürzte, denn seine Antworten passten gelegentlich nicht zu unseren Fragen, aber auch Anlass gab zu beidseitigem Gelächter und den Unterricht so entsprechend auflockerte.
Ein weiterer den Unterricht erschwerender Punkt war die Tatsache, dass Herr Nagel bei der Besprechung von Lehrbüchern über keinerlei ersichtliche Systematik verfügte (oder haben wir dummen Schüler sie nur nicht erkannt? Was?).
Dies machte sich auch bei der Bearbeitung der berühmten Lückentexte sehr nachteilig bemerkbar. So durften wir auf ca. 100 Buchseiten nach einer Hand voll Lösungswörtern suchen, was einige von uns in Verzweiflung stürzte, der Mehrheit aber sehr entgegen kam, weil Zeit blieb, die Ereignisse des letzten Wochenendes und ähnlich Aktuelles ausführlich zu diskutieren. Die Lückentexte wurden daher auch gerade in der siebten Stunde oder bei beidseitigem Motivations- und Leistungstief zur beliebtesten Unterrichtsmethode. Ein Beweis für Herrn Nagels Menschlichkeit und sein Einfühlungsvermögen.
Unsere Diskussionen beschränkten sich aber nicht nur auf die Vorkommnisse des zurückliegenden Wochenendes, sonder umfassten auch im Rahmen der von Herrn Nagel angestrebten politischen Bildung fachbezogene Themen, bei denen uns anschaulich vermittelt wurde, was Pluralismus und Demokratie überhaupt bedeuten. Gerade zur Zeit des Wahlkampfes konnten wir stundenlang über Steuern und Sozialleistungen lamentieren, ohne schlauer zu werden (aber dafür gab es ja die Lückentexte) oder vielleicht sogar zu einer ernst zu nehmenden Erkenntnis zu gelangen. Fast schon wie im Parlament!
Um unsere erhitzten Gemüter ein wenig abzukühlen und das Kursklima nicht dauerhaft zu schädigen, griff Herr Nagel zu Beginn der 13 zu einer besonders schlauen Methode, die seinen Beliebtheitsgrad rapide steigen ließ: er kaufte uns unseren selbstgebackenen Kuchen ab, um ihn bei einer Tasse Kaffee mit uns im Unterricht zu genießen. Es ist ihm dabei jedoch bis heute nicht gelungen, in seine knielangen Pullover hineinzuwachsen.
Häufig gab Herr Nagel dann im Anschluss an diese kulinarischen Genüsse noch eine Kostprobe seines künstlerischen Talentes. Augenscheinlich unsere geistige Aufnahmefähigkeit unterschätzend, gab er sich die größte Mühe, die banalsten Zusammenhänge oder Aufgaben, wie "Fassen Sie diesen Text zusammen", zu möglichst komplizierten und graphisch gut ausgestalteten Tafelbildern zu verarbeiten. Der Vorteil für uns lag hierbei auf der Hand: wieder einmal viel Zeit zum Quatschen und wenn er dann sein Werk vollendet hatte, und wir schließlich mit der Arbeit beginnen konnten, war meistens die Stunde schon wieder vorbei.
Allerdings gestaltete sich der Unterricht nicht immer so ruhig und entspannend. Besonders in den letzten Stunden vor der Klausur wurde der Unterricht effektiver als den meisten von uns lieb sein konnte, "Locke (ein Wirtschaftstheoretiker), Du Sau!" wurde zu einem geflügelten Wort. Je näher wir dem Abitur kamen, desto rasanter ging es vorwärts, zumal wir wegen krankheitsbedingten Unterrichtsausfalls tatsächlich ein wenig unter Zeitdruck gerieten.
Doch jetzt haben wir alle den Schlussspurt überstanden, wir blicken zurück auf einen Kurs, der uns trotz seines hohen Erholungswertes einiges Fachwissen vermittelt hat, uns aber vor allem wegen seines ausgesprochen liebenswerten und kooperativen Leiters in Erinnerung bleiben wird. Herzlichen Dank, Herr Nagel!!!

Linda H., Kathrin S.-K.

Von links: David B., Thomas B., Patrick K. (verdeckt), Kolja K., Daniel F., Dennis E., Marc H., Christian S., Herr Nagel, Katharina R.