Wir haben das Grobe überlebt

Nach neun (und mehr) Jahren Schule haben wir endlich das Abiturzeugnis in der Hand. Wir lehnen uns zurück und reisen mit gemischten Gefühlen in die Vergangenheit. Da war doch was?

Naiv, weltfremd und unerfahren kamen wir als I-Dötzkes ans HHG, wo uns alsbald der Ruf der weiten Welt und die harte Realität einholten.
Da wäre zum Beispiel ein gewisser grober Herr zu nennen, Herrscher über das HHG-Imperium, der uns fortwährend durch sein besonders freundliches und Schülerinteressen immer aufgeschlossenes Wesen zu begeistern verstand. So zeigte er sich auf von Schülern inszenierten Veranstaltungen immer kooperativ und als wahre Stimmungskanone, wenn er seinen legendären Satz „Hiermit ist diese Veranstaltung beendet!“ zur Freude aller Beteiligten zum Besten gab. Ja, wir werden unseren „Onkel Doktor“ vermissen, der durch sein ungebrochenes Engagement und durch selbstlose Selbstdarstellung stets einen besonderen Platz in unserem Herzen einnehmen wird.

Ebenso wie die heimlichen Herrscher des Imperiums, die Schulsekretösen, die allzeit gut gelaunt ihre anspruchsvolle und Zeit raubende Arbeit (man bedenke: nur 5 Tage für 10 Fingernägel) verrichteten und nebenbei sogar gelegentlich Zeit fanden, lästigen Aufgaben wie Schulbescheinigungen aushändigen oder neue Schülerausweise beantragen (bitte nur klassenweise) nachzukommen. Wir sind Euch ewig dankbar für soviel liebevolle Zuneigung.

Dass nach diesen traumatischen Erfahrungen mit oben charakterisierten menschlichen Wesen(?!) doch noch etwas aus uns geworden ist, verdanken wir unseren Leerkörpern. Mit Hilfe von Tafel, Kreide und Schwamm sowie einem gut durchdachten(?) Curriculum schmiedeten sie aus emotional verkrüppelten und verwirrten I-Dötzchen die zukünftige (sehr bescheidene) Elite des Staates. Sie hämmerten uns die Bruchrechnung, die französische Revolution, die unregelmäßigen Verben, die Quantentheorie (oder so ähnlich), die chemischen Verbindungen, das mit den Bienen, die Grundbegriffe der Ethik und vieles mehr ein. Nebenbei verteilten sie Noten (gelegentlich tatsächlich auch nach Leistung). Einige dieser besonderen Spezies verstanden es sogar, den Unterricht mit persönlicher Anteilnahme, Engagement und Humor zu verfeinern. Wir wollen hier natürlich keine Namen nennen. Aber Wehr könnte da gemeint sein? Etwa der wie ein Wasserbach redende Chemiker, der pfeilschnelle Germanist, das mathematische Ski-Ass oder der niemals lügende Geschichtslehrer?

Doch was wäre diese Schule ohne die Minderheit derer, die es weder verstanden haben, uns etwas beizubringen noch uns auf die Zukunft vorzubereiten. Dafür drängten sie uns ungefragt ihre politischen Ansichten auf, teilweise hatten sie aber auch einfach keine Lust - wie wir übrigens auch. Nahm unser Desinteresse dann mal wieder Überhand und hielten wir uns während des Unterrichts in den Gängen der Schule auf, begegneten wir zwei besonders netten Individuen dieser Anstalt. Angekündigt durch den Duft der Pfeife kamen Sherlock Miesemer und seine Frau mit ständig quälenden Fragen daher ("Habt ihr mal wieder nichts zu tun?") und machten damit die triste Schülerrealität wieder etwas fröhlicher. Auch mit der Milchbar und deren Vielfalt an Schokoriegeln und Schokoriegeln - nicht zu vergessen die Schokoriegel - sorgten sie für unser leibliches Wohl.

Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Örtlichkeiten, die man schon meilenweit gegen den Wind roch und einem den Magen verdrehten. Aber es gab ja die lieben Putzfrauen, die Tag für Tag unseren Schnodder wegwischten und manchmal angeekelt die Räume wochenlang nicht einmal betraten. Erst als das Pfeifen der uns so liebgewordenen Vöglein verstummte, griffen sie mit Hilfe von Meister Proper ein. Wo wir gerade bei Örtlichkeiten sind... Nachdem uns unser heißgeliebter Getränkeautomat gestohlen wurde, suchten auch die letzten Skeptiker den Penny-Markt, Ferger, Kaisers und nicht zuletzt unsere Stammkneipe, die Feuerwache, auf, die für uns zur Zuflucht in den Pausen, nach Klausuren und in Freistunden(!) wurde.

Jetzt haben wir die Prüfungen mehr oder weniger erfolgreich hinter uns gebracht und wünschen den nach uns kommenden Jahrgängen "Viel Glück!". Denkt immer daran: Es hätte schlimmer kommen können! Was uns erwarten wird, können wir nicht wissen. Deshalb gehen wir mit einem mulmigen Gefühl und lassen unser HHG zurück. Wir enden mit den Worten eines von uns geliebten, immer freundlichen Lehrers und Wegbereiters:

Schüss, ja!?

Andreas K. und Kathrin S.-K.