Biologie-LK Möller (Bertha) - Ein Mann, ein Wort, ein Experiment

Man nehme:
Einen Biologielehrer mittleren Alters, ein Aquarium und einen aerodynamisch geformten, rosafarbenen Fön im Design der 50er Jahre. „Was kommt jetzt?“, fragt man sich. Nun, es gibt zwei Möglichkeiten:

1. Uns wird die korrekte Durchführung eines Suizidversuchs nach einer misslungenen Klausur demonstriert
2. Man versucht, uns die Sauerstoffzirkulation in einem See zu verklickern

Leider trat der zweite Fall ein.
Zum Glück schaffte es Herr Möller auf zahlreiche Arten und Weisen, das Arbeitsklima in der Klasse zu verbessern, sei es durch Aufforderung zweier Schüler zum Händchenhalten zur Demonstration der Chromosomenbildung (sexualtechnisch gesehen ein Rückschritt), oder durch Sezieren diverser Biomasse mit dem Flutschfaktor 20 (Kuhaugen), wobei er uns mit strahlenden Kinderaugen den längsten Sehnerv jenseits des Schlachthofs präsentierte. Bedauerlicherweise mussten aufgrund dessen einige Schüler die Klasse verlassen, um auf der Toilette auszurufen: „Oh Gott, das soll ich gegessen haben?“.
Ebenfalls zur Erheiterung aller trug ein Schüler, dessen Namen ich hier unerwähnt lassen möchte, bei, indem er Bemerkungen fallen ließ, die einen Schmerzfaktor aufwiesen, der einem Sprung auf ein Fahrrad ohne Sattel gleichkam. Zum Beispiel vernahmen wir von ihm während einer Diskussion über Chitinskelette bei Insekten die Frage: „Das ist doch genauso wie bei Schildkröten, oder?“. Ob er jemals die Antwort auf diese Frage finden wird, sei erst einmal dahingestellt. Jedenfalls wurde es bei uns im Kurs nie langweilig und kein Schüler hätte jemals im Traum daran gedacht, einzuschlafen, was auch so gut wie gar nicht möglich gewesen wäre, da uns Herr Möller besonders in kritischen Stunden Biologiefilme aus den 60er Jahren präsentierte, welche er über einen alten Projektor abspielte, der es mit jedem Presslufthammer von der Lautstärke her spielend aufgenommen hätte. Und wenn mal kein Film unsere Trommelfelle strapazierte oder Experimente an lebenden Schülern vorgenommen wurden, schafften wir es dennoch, den Unterricht zu füllen. Zum einen wären da zahlreiche Referate zu nennen, welche Herr Möller großzügig unter seinen Jüngern verteilte. Jedes einzelne verschwand so schnell aus unseren Köpfen, wie Herr Möllers oft wiederholte Frage „Wer möchte mal anfangen, das Schaubild zu erklären?“. Zum anderen unternahmen wir noch zahlreiche Exkursionen, eine davon ging in die Eislaufhalle. Möglicher Eintrag im Klassenbuch: „Die Haftung auf dem Eis und Schmerzen im Hinterteil“. Ebenfalls unvergessen blieb unser Ausflug zur Universität Bochum während einer Demonstration der Studenten, untermalt von Herrn Möllers Bemerkungen wie „Hier ist ja auch niemand !“, oder „Warum ist die verdammte Tür abgeschlossen ?“, wo wir unsere ersten Erfahrungen mit einer Universität hauptsächlich in labyrinthartigen Kellerkomplexen sowie in der Kantine machten. Demjenigen, der jetzt denkt, dass alle unsere Exkursionen sinnlos waren, sei gesagt, dass eines unserer Ausflugsziele, hier zum Thema Ökologie, der Mülheimer Wasserbahnhof war, wo uns rostige Reusen und reißende Strudel immer wieder daran erinnerten, wie toll es ist, schwimmen zu können, und wie sehr das ganze in einer solchen Situation doch für den Arsch ist.
Insgesamt gesehen verlebten wir mit Herrn Möller zusammen im vierten Stock des Bertha van Suttner Gymnasiums, also irgendwo oberhalb der Wachstumsgrenze, eine schöne Zeit, in der vor allem eine Erkenntnis in uns allen heranreifte: „Sollte ein Biologielehrer doch einmal mit Staub bedeckt sein, so zeugt das nicht von langweiligem Unterricht, sondern höchstens von stundenlangem Kramen in alten Filmdosen.“

Martin J.