Deutsch-LK bei Herrn Holeweg

Wie berichtet man über einen Kurs, der jenseits jeglicher Klischees liegt? Über einen Kurs, der die Vorstellungskraft des unwissenden Lesers übersteigen könnte, einen Kurs, der während zwei kurzer Jahre ständig zwischen Genie (C.H.) und Wahnsinn (C.H.) zu pendeln schien? Nun da das Nachdenken darüber von unserer Zeit geht beenden wir es an dieser Stelle und begeben uns in den Mikrokosmos des Deutsch Leistungskurses.

Es fiel uns nicht immer leicht in die Tiefen der deutschsprachigen Literatur einzutauchen. Grund hierfür war jedoch nicht die Unfähigkeit der Schülerschaft oder gar die des Lehrkörpers. Vielmehr behinderte der offenbar feindselig gesinnte Englisch LK im Nachbarraum den pünktlichen Beginn unseres Tauchganges hartnäckig. Lärmendes Tisch- und Stühlerücken sorgte bei unserem Kapitän Holeweg für ein gehöriges Maß Unverständnis. Deshalb kommentierte er die akustischen Attacken der Anglisten auch dementsprechend („Jetzt rücken die schon wieder die Stühle um meinen Unterricht zu stören„). Peitschende Anfeuerungen der Mannschaft an den Kapitän sich auf feindliches Gebiet zu begeben um so für Ruhe zu sorgen kam Herr Holeweg jedoch nicht nach. Als Gegenschlag kam dafür aber die Faust unseres Kapitäns zum Zuge, die beim Aufprall auf die dünne Rigipswand wirklich Respekt einflößend klingt.
Überhaupt wurde während dieser zwei Jahre auffällig oft nonverbal kommuniziert (und das in einem Kurs der von Sprache lebt). Dieses fing schon damit an, dass anstelle eines fröhlichen „Guten Morgen“ das aufschreckende Geräusch der ins Schloss fallenden Türe den Unterricht feierlich eröffnete. Das Naturell der Mannschaft, das vorsah wo immer möglich Unterricht zu vermeiden, artikulierte sich durch ein tiefes, trauriges und dennoch drängendes Stöhnen und Raunen. Wann immer der Vorschlag von Herrn Holeweg dieses oder jenes Unterrichtsmaterial in Angriff zu nehmen kam, wussten alle Schüler diesen netten Versuch durch das im Laufe der Zeit zum Kult avancierte Brummen zu quittieren.
Erstaunlich war die Reaktion darauf. Anstatt wütend auf unsere chronische Faulheit zu schimpfen und den Stoff durchzupauken zeigte Herr Holeweg glücklicherweise oft Verständnis. Er fand mit der Zeit sogar Gefallen an unseren tönenden Interventionen und wartete auf sie, wenn sie mal ausblieben („Ich liebe das“, „Herrlich!“, „Das werde ich vermissen“). Selbst wenn wir uns dann doch mal ausführlich mit einem Werk befassen mussten, quälte uns Herr Holeweg nicht so lange damit, dass es uns zu viel wurde („Ich will das jetzt nicht totreiten“).
Arztbesuche, fehlgeplante Vertretungsstunden in anderen Klassen („Da hat schon wieder jemand Mist gebaut“) und andere wichtige Termine ließen oft eine flexible Unterrichtsgestaltung zu, die wir selbstverständlich in stundenlanger Heimarbeit ergänzten. Auch die Vorbereitung auf Klausuren nahm bei jedem von uns viel Zeit in Anspruch. Gerüchten, wonach der größte Teil der Schülerschaft erst wenige Tage (oder Stunden) vor dem jeweiligen Klausurtermin die entsprechende Literatur gelesen hat, muss hier eindeutig widersprochen werden.
Faust, Werther, Effi und Danton waren natürlich immer die Hauptrollen in dem dreimal wöchentlich stattfindenden Stück namens Deutsch-LK. Dennoch blieb (fast) immer Zeit für viele andere Ereignisse aus dem aktuellen Zeitgeschehen. Herr Holeweg brachte sowohl sozioökonomische Aspekte des CentrOs zur Sprache, wo er auf übelste Weise aufgrund seiner Nichtzugehörigkeit zur Zielgruppe des Einkaufszentrums diskriminiert wurde („Arschlochoppa“), als auch Medienkritik und hierbei insbesondere die so genannten Nachrichten von RTL, deren Redaktion völlig „vertrottelt“, „bescheuert“ und ohne jegliche Deutschkenntnis sei (RTL:„...wurde den Toten gedacht.“). Allerdings, betonte Herr Holeweg, sei RTL führend wenn es um Action (sprich Äktschen) geht. „Die haben immer die besten Bilder von Erdbeben und so weiter“. Wenn mal nichts dergleichen in der Welt passiert, gibt es zum Glück immer noch die gute alte Videothek, die Herr Holeweg gerne aufsucht um sich die Äktschen durch Filme wie Lethal Weapon direkt ins Wohnzimmer zu holen.
Dass auf Spielfilme eigentlich gänzlich verzichtet werden kann bewies Herr Holeweg jedoch so oft wie möglich mit spannenden Geschichten aus dem Lehrerzimmer. Einzelheiten können aus Datenschutzgründen hier natürlich nicht genannt werden. Unvergessen bleibt aber ein „Politskandal„, der wohl in die Geschichte des HHG eingehen dürfte. Herr Holeweg glaubte nämlich in Herrn von Söhnen den grünen Umweltminister Trittin erkannt zu haben. Herr von Söhnen fühlte sich daraufhin persönlich angegriffen und lieferte sich mit Herrn Holeweg einen wochenlangen Schlagabtausch. Uns kam dabei die Vermittlerrolle zu, was wirklich eine sehr spannende Aufgabe war.
Ziel dieses Artikels ist es deutlich zu machen, dass wir während dieser zwei Jahre im Deutsch LK wirklich viel zu lachen hatten (auch wenn bei einigen von uns das Lachen nicht immer ehrlich und natürlich klang). Verschweigen möchten wir aber nicht, dass auch einige Ungereimtheiten und Mankos die Arbeit mit Herrn Holeweg trübten. Besonders die Zensuren für die sonstige Mitarbeit waren ein Horror. Die Listen auf denen wir die Noten sämtlicher Kursteilnehmer zur Kenntnis nehmen konnten, waren mehr als fragwürdig.
Letztendlich war es aber ein wirklich toller Kurs, der an Vielseitigkeit kaum zu übertreffen sein dürfte. Neben Antigone hatte immer noch Kommissar Rex Platz, Galileo Galilei versteckte sich nicht hinter Leonardo di Caprio. Auch wenn ein Alleinunterhalter oftmals den Unterricht dominierte, war es doch eine starke Truppe, die sich zwei Jahre lang zusammen mit Herrn Holeweg durch den Dschungel der Literatur schlug. Gesamturteil: Wow!

Marc H., Marco B., Tim V.

Von links: Andreas K., Christoph H., Herr Holeweg, Konstantin K., Martina D., Marc H., Johanna R., Dennis E., Vera K., Markus E., Lydia E., Marco B., Tim V., Petra B., Daniel N., Tobias L., Ingo W. (teilw. verdeckt), Tim T., Kathrin P.