London Kursfahrt 1998 - Mission impossible?

Unsere Abschlussfahrt begann am 18.04.98, einem Samstag, um 7.45 a.m. Mit schwerem Gepäck beladen begab sich unser Englisch-LK, bestehend aus 24 Schüler/innen samt Kurslehrer H. Luft zum Oberhausener Hauptbahnhof, um von dort aus die Annehmlichkeiten der Deutschen Bahn AG über Duisburg und Köln, wo der Biologe H. Höhn zu uns stieg, bis nach Ostende in Anspruch zu nehmen. Ausgelassen, zum Teil auch feuchtfröhlich, mit zusammen angestimmten Liedern, und zahlreichen Konversationen über die vergangenen Osterferien, gestaltete sich die fast wie im Fluge vergehende Fahrt zur belgischen Küste. In Ostende jedoch, sollten die Tücken der Reise beginnen. "Seacat", ein normalerweise schnelles Luftkissenschiff, hatte aufgrund eines Motorschadens nicht nur immense Verspätung, sondern brachte uns auch in einem unsagbar langsamen Tempo zur britischen Insel. Endlich erreichten wir Dover mit seinen imposanten Kreidefelsen. Doch unser Anschlusszug nach London war längst abgefahren, sodass uns nichts anderes übrig blieb, als uns in Geduld zu üben.
Schließlich nach mehr als 14 Stunden Fahrt erreichten wir unser Hotel mit dem sehnlichsten Wunsch nach komfortablen Zimmern. Das von außen bieder wirkende Hotel entpuppte sich jedoch sehr schnell als schmutzige, unkomfortable Bleibe. Wir wollten unseren Augen nicht trauen als wir den Zustand der Zimmer begutachteten. Glücklich schätzen konnten sich noch diejenigen, die eine funktionierende Toilette und eine Dusche vorfanden. Wegen des permanenten Geruchs, der in allen Räumen gegenwärtig war, konnten die zerbrochenen Fensterscheiben doch als durchaus positiv wert geachtet werden... Das "kontinentale Frühstück" war ebenso sehr spärlich mit seinen pappigen Brötchen, dem kleistrigen "jam", und dem Tee oder Kaffee. Nach Überwindung des ersten Schocks akklimatisierten wir uns sehr schnell, und ließen uns von dem Charme dieser facettenreichen Stadt verzaubern. Unser erster Ausflug führte uns zur "Speaker’s corner" im Hydepark, wo wir den teils theatralisch vorgebrachten Monologen einiger skurrilen, schrillen und exzentrisch anmutenden Zeitgenossen folgten, die allesamt ihrem Herzen Luft zu machen versuchten, und uns teilweise zum Lachen, aber auch zum Nachdenken brachten.
Eine folgende Sightseeing-Tour führte uns zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Zu nennen wären an dieser Stelle der bekannte Tower und seine "Bridge", die St. Pauls Cathedral, das Regierungsviertel mit Downing und Regent Street, Trafalgar Square, und schließlich der Buckingham Palace. Einen Einblick in die Welt der Kunst konnte uns ein Besuch in der National Gallery vermitteln, und im Natural History Museum konnten wir einen Ausflug in die Welt der Tiere unternehmen. Auch eine Fahrt durch "Dockland", dem ehemaligen Hafenviertel und Arbeiterquartier, durfte ebenso wenig fehlen, wie ein Ausflug nach Greenwich, der "0- meridien line", der Ort, an dem die Weltzeit ermittelt wird. In einem dortigen Museum machten wir einen Ausflug in die 4.Dimension: time.
Nach solch lehrreichen Vormittagen durften wir London nachmittags auf "eigene Faust entdecken". Mit der "traveller’s card" waren wir sehr mobil, und somit eröffneten sich für uns viele Möglichkeiten, weitere Eindrücke zu erhaschen. So erlebten wir "Picadilly Circus", "Soho", oder die berühmte "Oxford Street", genauso wie wir uns des Öfteren auch in unserer Hotelgegend bei geeigneten Restaurants wie "McDonalds", "Burger King" oder "Pizza Hut" die Köstlichkeiten des "Fast Food-Business", einverleibten.
Den Widrigkeiten des Hotels zum Trotz waren wir sehr froh und glücklich in einer solch beeindruckenden, stilvollen Stadt unsere Abschlussfahrt verbringen zu können. Unsere am Tag gesammelten vielfältigen Impressionen wurden am Abend im Hotel bei (reichlich) Alkoholischem ausgetauscht. Es wurden Lieder angestimmt, Witze erzählt (nicht war, Patrick-monkey?), und mit einer Bar, einem Billardtisch, und einer kleinen Disko konnte uns das Hotel darüber hinaus immerhin noch einige Animationen bieten.
Doch leider muss auch von einem äußerst prekärem Vorfall berichtet werden, der sich nachts auf dem Flur des Hotels abspielte. Einem Teilnehmer der Kursfahrt wurde ein Messer an die Kehle gehalten, um ihn zum Kauf von Cannabis zu nötigen. Da der Täter sich mit 60 Pfund zufrieden gab, wurde dem Angegriffenen zumindest kein körperlicher Schaden zugefügt. Das vermeintliche Cannabis stellte sich jedoch nach einem scharfen Blick des Biologen Höhn als Pizzagewürz heraus...
Reichlich erschöpft traten wir schlie8lich am 25.04. die Rückreise an, die diesmal planmäßig "nur" an die 11 Stunden dauerte. Alles in allem lässt sich sagen, dass diese Abschlussfahrt trotz der mangelhaften Unterkunft und des oben erwähnten Vorfalls als sehr gelungen anzusehen ist. Sei hiermit an dieser Stelle ein Dank an die beiden Lehrer gerichtet, die uns ermöglichten ein Londoner Zeitgefühl zu entwickeln, und somit vom Alltag Abstand zu gewinnen. Was bleibt sind schöne Erinnerungen, aber auch kurzlebige, springlebendige Mitbringsel, wie sie drei von uns Teilnehmern im Nachhinein ihr eigen nennen konnten... Diese stechend-saugenden, einen unangenehmen Juckreiz auslösenden Souvenirs, auch Wanzen und Flöhe genannt, schienen sich in den Bettdecken einiger Hotelbetten getummelt zu haben...! Diesbezüglich sei noch anzumerken, dass Herr Luft an die Organisatoren der Reise (DB AG) einen Beschwerdebrief richtete. Bleibt abzuwarten, welches Antwortschreiben wir erhalten werden... Vielleicht ist ja "Mr. Air’s" Bemühung eine "mission impossible"?

Shireen D.